2. Winterakademie: Globalisierung
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Den Einführungsvortrag hielt Götz Kubitschek (Berlin). Er beschrieb die Globalisierung als "Entortungsphänomen": Die Kategorien Raum und Zeit würden im sogenannten globalen Dorf eingedampft, als hemmende und verzögernde Kategorien vielmehr keine Rolle mehr spielen. Auf dieser Grundthese beschrieb er Vereinheitlichungstendenzen, die Entpersonalisierung von Entscheidungs- und Verantwortungssträngen, insgesamt die Virtualisierung der Erfahrung. Daraus ergebe sich für den Einzelnen ein spürbarer Konflikt zwischen Informiertheit und Eingriffsmöglichkeit. Bei einem Teil führe dies dann zu Gegenbewegungen, zur Suche und Gestaltung von neuen-alten, direkt erfahrbaren und gestaltbaren Räumen.
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Reinhard Falter (München) knüpfte an und untersuchte in seinem Referat Globalisierungsgegner und ihre Konzepte. Er beschrieb drei Bereiche: Die seit Genua populäre Gruppe Attac, die ins spirituell-ökologischen Bereich angesiedelten Kreativen und den islamischen Fundamentalismus. Jedoch signalisierte Falter bereits mit dem Titel seiner Ausführungen ("Hat die Globalisierung ernsthafte Gegner?"), daß er in allen beschriebenen Gruppenallenfalls die Suche nach Ansatzpunkten ausmachen könne.
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Dr. Martin Papst (München) beschrieb "Antiimperialistisches Denken in der Weimarer Republik", konzentrierte sich dabei auf die Denker der Konservativen Revolution. Er grenzte vor allem die Position der Nationalbolschewisten um Niekisch, die sich gegen koloniale Unterdrückung wandte, ab gegen nationalsozialistische Positionen, deren rassistischer Sozialdarwinismus die britische Weltmachtrolle bewundernd akzeptierte und in einem eigenen Großraum imperialistisch zu überbieten hoffte.
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Verblüffung erzielte Tilman Koops (Koblenz), als er in seinem Vortrag ("Das Gespenst der Globalisierung") die scharfsinnigen Analysen Lenins in dessen "Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" präsentierte. Dieser 1917 verfaßten Studie könne prophetische Qualität zugesprochen werden. Lenin konstatierte die Verschiebung der Massengüterproduktion nach Asien und Afrika, den Bedeutungszuwachs der Aktiengesellschaften und Finanzmärkte und schließlich die Konzernbildung international agierender Giganten, die auf dem Weltmarkt um Einfluß ringen. Die lebhafte Debatte über Koops Vortrag berührte die Europäisierungskonzepte von Habermas und grundsätzliche Überlegungen zum Primat der Politik, zum Staat als einem ökonomischen Akteur also.
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Einen sehr grundsätzlichen Vortrag hielt Michael Wiesberg (Stuttgart) unter dem Titel "Geopolitik - Strategie und Raum". Anhand der Klassiker führte er in grundlegende Begriffe und Theorien von "politischer Geographie" und "Geopolitik" ein und zeigte dann, daß trotz des kommunikativen Virtualismus und der Raumlosigkeit als Signum heutiger Diskurse der "geographische Faktor" nicht erlischt, sich gar ein semantischer Paradigmenwechsel abzeichnet. Wiesbergs Überlegungen mündeten in der Positionsanalyse des ehemaligen US-Präsidentenberaters und Politikprofessors Zbigniew Brzezinski, der mit seinen Büchern das amerikanische Hegemonialstreben umfassend Perspektiviert. Im Koordinatensystem von "geostrategischen Akteuren" und "Geopolitischen Dreh- und Angelpunkten" zeichne sich der Kampf um Eurasien ab.
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Anknüpfend an die Ausführungen über Brzezinski und Fukuyama stellte Dr. Karlheinz Weißmann (Göttingen) das Deutungsparadigma Samuel Huntingtons vor. Er verortete den Autor von "Kampf der Kulturen" zwischen den politischen Schulen der "Universalisten" (beispielsweise Rorty) und "Anarchisten" (Wie Kaplan). Antiuniversalistisch und bereit, die Kulturen als irreduzible Größen anzuerkennen, kann Huntington als der "Spengler Amerikas" gelten. Weit entfernt, den "Verteilungskampf" als letzten Konfliktgrund anzusehen, erkennt er vielmehr die Bedeutung der Orientierungsgröße "Identität" und glaubt an eine spontane Vitalität der Kulturkreise. "Identität" werde .- so Weißmann - nicht zuletzt deswegen im Institut für Staatspolitik als ein Schlüsselthema bearbeitet.
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