7. Sommerakademie: Jugend
7. Sommerakademie: Jugend

  • Bericht zur 7. Sommerakademie des IfS

    Am vergangenen Wochenende veranstaltete das Institut für Staatspolitik (IfS) unter der Leitung von Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann seine 7. Sommerakademie, die sich dem interessanten und vor allem zukunftsweisenden Thema "Jugend" widmete. Das dreitägige Seminar, zu dem Studenten und Schüler aus ganz Deutschland angereist waren, fand auf dem Rittergut des Instituts im sachsen-anhaltischen Schnellroda statt, wo die jungen Teilnehmer sehr gute Tagungsbedingungen und vor allem eine konzentrierte Atmosphäre vorfanden. Neun Referenten leuchteten das Seminarthema "Jugend" aus und stellten den hohen Anspruch der staatspolitischen Seminartätigkeit unter Beweis.
    Nicht zuletzt solche Akademien begründen den Ruf des IfS, scharf konturiert zu arbeiten, Gegenaufklärung zugespitzt zu betreiben und gleichzeitig anspruchsvoll zu bleiben. Aus diesem Grund wohl hatte die Jugendorganisation der unionsnahen Stiftung "Studienzentrum Weikersheim" den IfS-Vordenker Karlheinz Weißmann bereits vor einigen Monaten zu einer Tagung zum Thema "Konservativismus" geladen. Wie aus den Reihen der "Jung-Weikersheimer" zu erfahren war, habe man mit der Einladung von Weißmann den Kontakt zwischen den beiden konservativen Bildungseinrichtungen verbessern wollen. Doch die Jungkonservativen mußten sich offenbar dem Druck der "Altkonservativen" von Weikersheim beugen, die aufgrund der Einladung Weißmann ein mögliches Abspringen von Weikersheim-Spendern sowie Kritik von Seiten der SPD befürchteten. In der Tat hebt sich das Institut für Staatspolitik von seiner Ausrichtung her deutlich vom herkömmlichen Konservatismus ab, und IfS-Leiter Kubitschek war letztlich nicht traurig darüber, daß die Positionierung seiner Institution im Gegensatz zu den "Beschwichtigungskonservativen" von Weikersheim durch die Ausladung deutlich geworden sei.
    "Jugend" also war am vergangenen Wochenende das Thema, und Kubitschek betonte gleich zu Beginn der Tagung, daß es damit um die Hauptzielgruppe des Instituts selbst gehe: um die suchenden, lernbereiten, letztlich noch unfertigen jungen Schüler und Studenten, deren Entscheidung für die Selbstverortung im Leben und in der Gesellschaft noch ausstehe. Mit einem Begriff von Joachim Fernau charakterisierte Kubitschek den Jugendlichen, als denjenigen, der "das Knappe-Sein ausstrahlt und sich einen Mentor und Lehrmeister sucht". Wer jung sei, dürfe experimentieren, fehlgehen, lebe in einer Schonzeit. Zu Recht attestierte Kubitschek dem Jugendlichen eine Beschneidung von zwei Seiten. Zum einen werde bereits dem Vorpubertärem durch die Gesellschaft eine nicht vorhanden Reife suggeriert, zum anderen trage die offenkundige Infantilisierung der nur scheinbar Erwachsenen dazu bei, daß ein Ende des Jungseins zusehends verwischt werde. Daher falle es den Jugendlichen immer schwerer, einen angemessenen Standpunkt zu formulieren, eine Lebensentscheidung zu treffen und einen Punkt zu setzen.
    Ebenso interessant war der Folgevortrag von Marin Lichtmeß über Hans Blüher, ein Protagonist der Jugendbewegung, den Armin Mohler zu Lebzeiten als "kategoriensprengender Autor" der Konservativen Revolution charakterisiert hatte. Blühers Denkkategorien - Heldenverehrung und männlicher Eros - bildeten den Schwerpunkt des Vortrages. Den optischen Zugriff wählte Karlheinz Weißmann, der einen Lichtbildvortrag über "Die Ikonen der Jugendbewegung" hielt. Weißmann konstatierte, daß diese von romantischem Idealismus getragene und äußerst dynamische Jugend, "in einer Phase gelebt hatte, in der wohl zum letzten Mal die Jugend noch jugendlich war". Auch er analysierte eine Zurückdrängung des jugendlichen Elementes und ein kindisches Gebaren heutiger Erwachsener. Wie deutlich konturiert die Jugendzeit in traditionellen Gesellschaften war, zeigte der Schweizer Frühgeschichtler Hans-Peter Hasenfratz in seinem Vortrag am Beispiel der Germanen.
    Eine bis in die Nacht dauernde Diskussion löste der Lichtbildvortrag von Erik Lehnert über "Jugend in der DDR" aus. Verhandelt wurde die Frage, inwieweit der heutigen zumeist bindungsfernen, orientierungslosen und oftmals verwahrlosten Jugend aus der Krise geholfen werden könne, zumal derzeit keinerlei jugendliche Reformbewegung auszumachen sei, mit Hilfe derer sich die Jugend selbst am Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen vermöge. Als blanke pädagogische, in der schulischen Alltagserfahrung gründende Not bezeichnete Weißmann den Ruf nach strenger Ganztagsschule, die etwa der ehemalige Rektor des Eliteinternats Salem, Bernhard Bueb, vorschlage: Man traue der Durchschnittsfamilie auf dem Feld der Erziehung zurecht nichts mehr zu. Überhaupt stelle sich die Frage, ob nicht die Rettung der Gutwilligen im Vordergrund stehen und ein großer Rest zunächst im Stich gelassen werden müsse. Wieder kam der Begriff der "Traditionskompanie" ins Spiel, die als eine Art Arche die kulturelle Identität über eine dürftige Zeit retten könne.
    Daß das IfS stets mehr als nur eine "Neben-Universität" ist, zeigten der gemeinsam betriebene Sport, das abendliche Singen und vor allem die Dringlichkeit des Tons und der Gespräche, die eine "beschwichtigungs-konservative" Stimmung erst gar nicht aufkommen ließen. Einer der Teilnehmer lobte am Ende augenzwinkernd die "Traditionskompanie IfS". Zum Thema "Jugend" sagte er, daß "die entscheidenden Schlachten in der Seele gewonnen werden", eine Seele, die er offenbar beim IfS vorzufinden glaubt.
    Matthias Müller